Unterirdisch  Feengrotten  [16]

Feengrotten

Diese bereits vor 300 Jahren aufgegebenen Gruben sind in dieser geologisch gesehen recht kurzen Zeit wundervoll versindert und bieten heute die farbenfrohsten Tropfsteingebilde der Welt. Mit jährlich ca. 180.000 Besuchern sind die Feengrotten, ( Jeremias Glück Bergwerk) die am zweitstärksten besuchte Schauhöhle bzw. Schaubergwerk Deutschlands. Es lohnt sich am frühen Morgen oder wie wir erst am späten Nachmittag an einer Führung teilzunehmen. Da die Befahrung in einer großen Gruppe weit weniger atmosphärisch ist. Bevor man Untertage darf, müßen zunächst den Sicherheitshinweise gelauscht werden und ein Schutzcape angelegt werden. Spätestens jetzt fühlt man sich wie der 8te Zwerg. Im Berg ist es zudem permanent recht Kühl, die Kleidung sollte für die herrschenden 9° angemessen dick sein. Wasserdichtes Schuhwerk ist Pflicht. Der zurückzulegende Fußweg Untertage ist nicht weit, eigentlich könnte man die Grotten in ca. 10 Minuten durchwandern. Die faszinierenden Gesteinsformationen, hauptsächlich durch ein recht weiches Mineral geformt und durch Eisenoxid eingefärbt, fesseln jedoch. Vier märchenhaft schöne Kavernen erwarten den Besucher. Diese Grotten waren im 15. und 16. Jahrhundert Abbaustellen für Alauenschiffer, einem für die Gerberei wichtigem Rohstoff. Später konnten die so gewonnenen Chemikalien industriell hergestellt werden. Der kraft- und kosteninstensive Bergbau lohnte nicht mehr. Da das Bergwerk über 300 Jahr praktisch vergessen war, hatten die Bergbutter, ein sehr eiliges Mineral, genug Zeit Tropfsteine jeglicher Form auszubilden. Im Gegensatz zu den z.B. auf der Schwäbischen Alb anzutreffenden Karsthöhlen mit ihren Calcittropfstein, sind die jährlich um Zentimeter wachsenden und gänzlich kalkfreien Bergbuttertropfsteine wahre Formel1- Tropfsteine. Sie wachsen zwischen 100x und 1000x schneller als die schwäbische Konkurrenz. Da die Bergbutter sehr weich ist, etwa wie Ton, gibt es leider nur wenige Stalagtiten, da sie durch ihr eigenes Gewicht leicht abbrechen. Um diese weichen Gebilde vor den Besucherhorden zu Schützen wurden in den Grotten künstliche Seen angestaut. Netter Nebeneffekt: Durch die Wasserfläche entstehen wunderschöne Spiegellungen. Spätestens bei diesem Anblick erwartet man das Auftauchen von Feen oder sehr alten Hobbits. Sehr kurios, eine Eichenwurzel, die sich durch die Decke des Bergwerks gegraben hat und wie ein riesiger Stalagtit in die Grube hängt. Diese Wurzel gehört zu einer zweistämmigen Eiche, die nur wenige Meter vom Ausgang der Mine entfernt zu finden ist. Regnet es an der Oberfläche kann man beobachten wie sich ein Wasserfall die Wurzel entlang entwickelt. Das durch das mineralienhaltige Erdreich dringende Wasser sorgt dafür, das die Pfahlwurzel der Eiche allmähliche versteintert. Die Grotten sind gut ausgebaut, es sind zwar noch wenige alte Stollen zu besichtigen, diese können aber aufgrund ihrer Höhe (max. 50 cm) und/oder ihres Zustandes nicht begangen werden. Zumindest aber vermitteln die alten Stollen ein Bild von den Arbeitsverhältnissen um 1500. Die Schachtgröße vieler Transportwege war lediglich für Kinder ausgelegt. Klaustrophobe Personen sollten sich zweimal überlegen ins Bergwerk einzufahren. Die meisten Stellen bieten zwar genug Freiheit. Eine Passage jedoch muss durch einen Schulterbreiten 1.70 hohen Tunnel von min. 50 Metern Länge bewältigt werden. Leute mit Höhenangst hingegen treffen hier im Gegensatz zu den vielen anderen Höhlen und Bergwerken nicht auf wirklich erschreckende Abgründe. Im Anschluß an die etwa 45 Minütige Führung erhält man einen Glücksstein, und darf das stark eisenhaltige Mineralwasser verkosten. Cool für Grufties: Das Zeug schmeckt wie Blut. Eine zweite Heilwasserquelle ist leider nach den zu DDR-Zeiten durchgeführten Uranprobebohrungen versiegt. Die Bohrlöcher wurden nicht verschloßen, das Wasser verschwand in tiefere Erdschichten. Gruppen mit Kindern brauchen sich keine Sorgen machen, weder haben die Kleinen Chancen zu verschwinden, noch ist der Dreckfaktor hoch. Es ist mit Ausnahme des von First tropfende Eisenwasser alles Problemlos ohne Schlammbad zu überstehen. Helle Kleidungstücke sollten trotz Schutzmäntelchen draußen bleiben. Insgesamt sind die Feengrotten auch für alte Menschen leicht zu bewältigen. Auch Heuschnupfen geplagten kann ich den Besuch nur ans Herz legen. Nach dem Besuch kann man Vorort in typische Touristenshops von Mineralien bis Schokolade alles mögliche konsumieren. Wenige Meter entfernt findet sich zudem eine Schokoladenfabrik, bei der sich ein Besuch lohnt.